Nachfolge im Familienunternehmen ist auch ein Kommunikationsprojekt

Die Übergabe eines Familienunternehmens an die nächste Generation ist eine rechtliche, finanzielle und persönliche Entscheidung. Sie ist zugleich ein Kommunikationsprozess, der darüber entscheidet, ob Familie, Mitarbeitende, Kunden und Banken der neuen Konstellation vertrauen.

Drei Erkenntnisse

  1. Nachfolge scheitert oft nicht an Dokumenten, sondern an Menschen, und braucht daher auch einen Kommunikationsplan.
  2. Die Reihenfolge zählt: Familie, Führungskräfte, Mitarbeitende und danach das Umfeld.
  3. Wichtige Kunden- und Bankbeziehungen werden persönlich übergeben, mit sichtbarer, öffentlicher Unterstützung des Seniors für den Nachfolger.

Fragen für die nächste Vorstandssitzung

  1. Hat die Familie Zeitplan, Rollen und die Frage, wer für sie spricht, abgestimmt?
  2. Was sagen wir den Mitarbeitenden darüber, was sich ändert und was bleibt?
  3. Wie reagieren wir, wenn die Nachfolge vor der geplanten Bekanntgabe durchsickert?

Viele polnische Familienunternehmen, die in den 1990er-Jahren gegründet wurden, stehen heute vor dem ersten Generationswechsel ihrer Geschichte. Gespräche über die Nachfolge konzentrieren sich meist auf die Eigentümerstruktur, Steuern, eine Familienstiftung oder den Gesellschaftsvertrag. Das ist notwendig und erfordert erfahrene Juristen und Berater. Ebenso oft gerät die Nachfolge jedoch nicht an den Dokumenten ins Stocken, sondern an den Menschen: an Unausgesprochenem in der Familie, an der Verunsicherung der Mitarbeitenden, an Zweifeln der Bank oder an Gerüchten im lokalen Umfeld.

Deshalb lohnt es sich, die Nachfolge auch als Kommunikationsprojekt zu behandeln, mit eigenem Plan, eigenem Zeitplan und klar zugewiesener Verantwortung. Wie die rechtliche Seite muss sie frühzeitig vorbereitet und nicht im Moment der Bekanntgabe improvisiert werden.

Die Familie: das erste und schwierigste Gespräch

Die wichtigste Kommunikation in jeder Nachfolge findet am Familientisch statt. Der Senior, der Nachfolger, nicht im Unternehmen tätige Geschwister, Ehepartner: Jeder hat eigene Erwartungen, Sorgen und ein eigenes Gerechtigkeitsempfinden. Werden diese nicht früh benannt, treten sie im ungünstigsten Moment zutage.

Es hilft, den Gesprächen eine Struktur zu geben. Es lohnt sich zu klären, welche Fragen das Eigentum, welche die Führung und welche die familiären Beziehungen betreffen, und diese Ebenen auseinanderzuhalten. Ebenso lohnt es sich, gemeinsame Vereinbarungen schriftlich festzuhalten, etwa als Protokoll eines Familienrats oder als Familienverfassung. Ein solches Dokument ersetzt keine Verträge, erlaubt es aber, zu dem zurückzukehren, was vereinbart wurde, bevor Emotionen ins Spiel kamen.

Ratsam ist auch, festzulegen, wer wann für die Familie spricht. Wenn verschiedene Familienmitglieder nach außen unterschiedliche Versionen vermitteln, bemerken Mitarbeitende und Partner das schnell.

Mitarbeitende und Führungskräfte

Mitarbeitende von Familienunternehmen identifizieren das Unternehmen oft mit der Person des Gründers. Die Nachricht von einer Nachfolge wirft naturgemäß Fragen auf: Wird das Unternehmen verkauft, ändern sich die Regeln, kennt der neue Chef ihre Arbeit? Wo Antworten fehlen, füllen Spekulationen rasch die Lücke.

Die Reihenfolge ist entscheidend. Die Führungskräfte sollten vor dem übrigen Team von den Plänen erfahren und genug Wissen erhalten, um mit ihren Mitarbeitenden sprechen zu können. Die Mitteilung an die Belegschaft sollte erklären, was sich ändert, was gleich bleibt und wie die Übergangszeit gestaltet wird. Besonders wichtig ist ein klares, öffentliches Signal, dass der Senior den Nachfolger uneingeschränkt unterstützt.

Bedenken Sie auch, dass eine einzige Ankündigung nicht genügt. Die Übergangszeit dauert in der Regel Monate, und die Fragen der Mitarbeitenden kommen nach und nach. Regelmäßige Treffen, bei denen der Nachfolger über seine Pläne spricht und dem Team zuhört, stärken seine Stellung wirksamer als der sorgfältigste Brief.

Nachfolge gelingt, wenn das Umfeld des Unternehmens Kontinuität sieht und nicht nur eine geänderte Eintragung im Register.

Kunden, Banken und das lokale Umfeld

Geschäftsbeziehungen in Familienunternehmen sind häufig persönliche Beziehungen. Ein wichtiger Kunde ruft womöglich seit Jahren direkt beim Gründer an. Die finanzierende Bank betrachtet nicht nur die Ergebnisse, sondern auch das Risiko, das mit einem Wechsel der entscheidenden Person verbunden ist.

Die wichtigsten Beziehungen sollten daher persönlich übergeben werden. Gemeinsame Besuche von Senior und Nachfolger bei wichtigen Kunden, ein Treffen mit dem Kundenbetreuer der Bank vor dem formalen Wechsel in der Geschäftsführung und eine klare Information an die Lieferanten darüber, wer ab wann entscheidet, verringern die Unsicherheit auf der anderen Seite. Das Gespräch mit der Bank sollte gemeinsam mit Finanz- und Rechtsberatern vorbereitet werden, da es die Bedingungen bestehender Verträge berühren kann.

Ein Familienunternehmen ist oft einer der größeren Arbeitgeber in seiner Gemeinde oder seinem Landkreis, Sponsor des örtlichen Vereins und Partner der Kommunalverwaltung. Ein Generationswechsel wird dort meist aufmerksam verfolgt. Es lohnt sich, dafür zu sorgen, dass der Nachfolger in den lokalen Beziehungen präsent ist, bevor er formal das Ruder übernimmt, und dass die Verpflichtungen des Unternehmens gegenüber der Gemeinschaft ausdrücklich bekräftigt werden.

Der Kommunikationsplan für die Nachfolge im Überblick

  • Ein in der Familie abgestimmter Zeitplan und eine klare Rollenverteilung.
  • Eine Reihenfolge der Information: Familie, Führungskräfte, Mitarbeitende, weiteres Umfeld.
  • Eine stimmige Botschaft: was sich ändert, was bleibt und warum.
  • Persönliche Treffen mit wichtigen Kunden und der Bank.
  • Sichtbare, öffentliche Unterstützung des Nachfolgers durch den Senior.
  • Ein Plan für den Fall, dass Informationen vorzeitig durchsickern.

Die Nachfolge ist einer der wenigen Momente in der Geschichte eines Familienunternehmens, die sich lange im Voraus planen lassen. Umso bedauerlicher ist es, wenn eine sorgfältig vorbereitete rechtliche und finanzielle Struktur durch unbedachte Kommunikation geschwächt wird. Zeit, die in Gespräche investiert wird, bevor formale Entscheidungen fallen, zahlt sich in der Regel vielfach aus.

Wenn sich Ihre Familie auf einen Generationswechsel vorbereitet und Sie dessen kommunikative Seite durchdenken möchten, freuen wir uns auf ein vertrauliches Gespräch mit dem Team von TORRE.

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